Lernen

Was ist Lernen?

Vielfach wird unter «Lernen» die Aneignung von Inhalten verstanden- durch den Besuch eines Kurs, durch Lesen eines Buches oder Schauen eines Videos. Dabei wird aber einfach unser eigener Informationsspeicher erweitert. Echtes Lernen kann nur stattfinden, wenn der Lernende aktiv ist (Konstruktionsvorgang). Lernen bedeutet, dass sich unser Verhalten ändert oder ändern kann. Wir erhalten neue Informationen (zB ein Rezept) und/oder erwerben neue Fertigkeiten (zB wie man «glasig bratet»), die wir in unseren bisherigen Erfahrungsschatz einbauen und damit Neues erreichen können (zB einen Lachs zubereiten). Dadurch erweitern wir unsere Kompetenzen (ein Zopf aus Wissen, Fertigkeiten und Werten/Ansichten).

Unser Gehirn lernt permanent

Früher dachte man, dass nach der Pubertät das Gehirn «ausgewachsen» und «fertig» sei. Bis man entdeckte, dass sich das Hirn permanent verändert und immer (auch im Schlaf) aktiv ist. Diese Veränderungen sind ein Zeichen davon, dass wir lernen. Sie passieren auf Ebene der Signalübertragung (Kurzzeitgedächtnis), auf Ebene der Hirnstruktur (zB Schaffen von neuen Verbindungen, Langzeitgedächtnis) und auf der Ebene der Funktion (zB Erhöhung der Erregbarkeit). In der Fachsprache heisst das Neuroplastizität. Diese kann positiv oder negativ sein, denn das Gehirn kann nicht zwischen gut und schlecht unterscheiden- auch schlechte Gedanken, Verhalten oder Gewohnheiten können erlernt und vertieft werden.Diese zu verlernen, kann sehr anstrengend sein.

Wir können lebenslang lernen, dies wissen wir mittlerweilen und das wird durch dies kanadische Neurowissenschafterin Dr. Lara Boyd in diesem TEDxTalk bestätigt. Was Lara Boyd auch betont ist, dass jede von uns individuell lernt und dass konkretes Verhalten und Übung ganz wesentlich sind im Lernprozess. Und dass wir nicht darum herum kommen, selber zu analysieren, wie wir am besten lernen und diese Muster dann immer wieder anwenden. Nicht zu vergessen, dass wir unser Hirn dauernd verändern. Also auch jetzt gerade!

Manchmal müssen wir etwas erst “verlernen” und dadurch die Möglichkeit erhalten, neue Autobahnen im Hirn anzulegen, um eine Herausforderung zu meistern. Das zeigt das Beispiel im Video von Destin von “Smarter Every Day”. Mit einem Velo, das immer dann nach links dreht, wenn der Lenker nach rechts zeigt, verdeutlicht er dies. Eindrücklich, nicht wahr?

Ich selber hab’ das Velo einmal live ausprobiert und mir gedacht: Na, so schwierig kann das nicht sein. Ich bin natürlich kläglich gescheitert. Was nehme ich daraus mit: Ich kann lernen, muss aber festgefahrene Autobahnen kennen. Es braucht Geduld und Übung. Und nur weil ich etwas weiss, habe ich es noch nicht zwingend verstanden.

Lernen im Job- das 70:20:10 Modell

Wie lernen wir als Erwachsene beziehungsweise im Beruf? In den späten Achtzigerjahren untersuchte eine Studie in den USA (The origin of 70-20-10) mit fast 200 «Executives» diese Frage und kam zum Schluss, dass nur 10% unserer Lernens in Kursen und Lehrgängen (formales Lernen) stattfindet. 20% lernen wir von unseren Kolleginnen und Kollegen (social learning) und rund 70% an unserem Arbeitstisch (on the job, experiential, informell).

Aus unserer Sicht kann diese Trennung zwischen formal, sozial und informell nicht streng vollzogen werden. Wenn ich eine Herausforderung im Projekt habe, gehe ich häufig einen Kollegen fragen. Es könnte auch gut sein, dass ich aus einer Anforderung in einem Projekt einen Kurs besuchen gehe. Das Modell ist also unbedingt unter dem Gesichtspunkt «All models are wrong, but some are useful» zu sehen. Es hilft uns aus unserer Sicht vor allem einzuordnen, wo Lernen initiiert wird, also wo das Bedürfnis nach Lernen geweckt wird, und was uns zum Lernen motiviert.

Informelles Lernen (on-the-job)

Während formales Lernen häufig verordnet und vor allem durch Zertifikate sichtbar gemacht wird, geschieht informelles Lernen selbstgesteuert (gemäss meinem momentanen Bedürfnis suche ich mir Lernquellen und wende das Gelernte an), selbstorganisiert und muss selbst sichtbar gemacht werden. Ein Ansatz, der Personen beim informellen Lernen unterstützen kann, ist das Persönliche Wissensmanagement. Es umfasst die Organisation des eigenen Lernens, die Verarbeitung der erhaltenen Informationen (der eigentliche Lernakt) und das Sichtbarmachen und Teilen des eigenen Wissens mit dem persönlichen Lernnetzwerk.

Persönliches Wissensmanagement

Grundlagen

Persönliches Wissensmanagement dient dazu, Informationen in Wissen zu verwandeln, den eigenen Lernprozess und das eigene Wissen zu organisieren, sich ein persönliches Lernnetzwerk aufzubauen und das eigene Wissen und Lernen sichtbar zu machen.

Der Kern eines persönlichen Wissensmanagements ist der Aufbau und die Pflege der Persönlichen Lernumgebung (PLE). Dazu gehören Werkzeuge und Methoden, die es ermöglichen, neues Wissen zu erhalten, ins vorhandene Wissen zu integrieren und dieses Wissen zu organisieren und bewahren.

Erweitert man seine PLE durch die Beziehung zu und den Austausch mit anderen Personen, erarbeitet man sich ein Persönliches Lernnetzwerk (PLN). Darin erhält man neues Wissen von Personen, entwickelt neues Wissen durch die Diskussion mit ihnen und den neuen Perspektiven, die sich durch ihren Erfahrungsschatz ergeben, und teilt das neu entwickelte Wissen wiederum mit seinem Lernnetzwerk.

Einige Ressourcen zu «Was ist Persönliches Wissensmanagement»

Folien zu eine, Input zu Persönlichem Wissensmanagement

Persönliche Lernumgebung

Zu einer Persönlichen Lernumgebung gehören Werkzeuge und Methoden. Ein Block und Stift oder die Verwendung eines digitalen Notizbuches wie OneNote oder Evernote genügen noch nicht- wir müssen uns auch im Klaren darüber sein, was wir damit anstellen wollen und wie wir das machen. Denn erst die Verarbeitung von neuen Informationen, die wir aus einer Suchmaschine erhalten haben, oder Gedanken, die uns jemand mitgeteilt hat, führt zu neuem Wissen und damit zu Lernen. Wie dies geschehen kann, zeigen wir im Kapitel «Methoden zur Wissensverarbeitung«.

Werkzeuge für die persönliche Lernumgebung

Jedes Jahr stellt Jane Hart die 100 Top Tools for Learning zusammen. Ihre Listen basieren auf einer sehr gross angelegten Umfrage. Daraus erstellt sie das Modern Professional Learners Toolkit. Es gibt einen guten Einblick, welche Werkzeuge für die PLE und den Aufbau und die Pflege einer PLN genutzt werden können. Mir persönlich gefällt die Version von 2018 am besten, weswegen auch diese hier präsentiert werden soll.

Der Text «Digitale Werkzeuge für die persönliche Wissensorganisation» geht zunächst auf die Hintergründe ein, warum wir überhaupt ein Persönliches Wissensmanagement brauchen und gibt dann Hinweise zu verschiedenen Werkzeugen. Der Text ist älter (nicht mehr alle Werkzeuge sind aktuell), aber gibt interessante Einblicke.

«Personal Learning Environment – Tools für (m)ein persönliches Wissensmanagement» ist ein kostenfreies E-Book von Sirkka Freigang, in dem sie ihre PLE zur Erstellung ihrer Dissertation beschreibt. Mit vielen wertvollen Hinweisen zu Werkzeugen, Methoden und Abläufen.

Methoden für die Wissensverarbeitung

Wie verarbeitest du Informationen, die du zum Beispiel bei einer Internet-Recherche gefunden hast? Wie integriert du sie in das, was du bereits weisst, und ziehst neue Schlüsse daraus?
Vielleicht machst du gerne Visualisierungen, arbeitest zum Beispiel mit MindMaps. Oder du brauchst Zusammenfassungen und eigene Notizen zu einem Text. Dir liegt es mehr, eine Präsentation zu erstellen? Oder gar einen Artikel zu schreiben? Wie bereits gesagt, können wir nur lernen, wenn wir aktiv sind, wenn wir handeln. Im Zusammenhang mit Persönlichem Wissensmanagement heisst dies, etwas zu produzieren. Was und wie wir das machen, ist höchst individuell. Du musst die für dich passende Methode, das für dich passende Format finden.
Um das Ganze besser zu strukturieren, sollten dahinter Prozesse stehen. Jeden Freitag gehe ich durch meine Notizen. Finde ich interessante Quellen, lege ich die immer gleich in mein OneNote ab und schreibe zwei Zeilen, was ich daraus gelernt habe. Aus meiner Erfahrung ist dies der schwierigste Teil, ausser man ist ein gut strukturierter Mensch.

Mind Maps und Concept Maps dienen der Visualisierung von Zusammenhängen. Während Mind Maps intuitiv beziehungsweise assoziativ erstellt werden, liegt Concept Maps immer eine Beziehungsstruktur zu Grunde. Mehr dazu

Der berühmteste Canvas ist der Business Model Canvas. Mittlerweile gibt es einen Canvas zu fast jedem Thema (google-> Canvas -> Bilder). Auch zu Persönlichem Wissensmanagement- eine Arbeit, die ich gemacht habe, als ich versuchte meine Gedanken rund um das Thema zu ordnen.

Auch zu versuchen, eine Übersicht über ein Thema zu erstellen, kann helfen, Wissen festzuhalten. Dabei kann solch eine Übersicht eine Mischung zwischen Concept Map und Canvas sein. Da Persönliches Wissensmanagement ein komplexes Thema ist, habe ich mich auch an einer Übersicht versucht, die ich oben bereits einmal eingefügt hatte.

Die wohl häufigste Form der Wissensverarbeitung. Notizen kann man immer und überall machen. Wichtig bei den Notizen ist, sie so zu verfassen, dass man sich auch nach mehreren Wochen noch findet und noch weiss, was gemeint war (ich spreche aus eigener Erfahrung). Nutzt man ein papierenes Notizbuch, kann man mit einem Inhaltsverzeichnis arbeiten (siehe Bullet Journaling). In einem digitalen Notizbuch kann man tags nutzen oder darauf achten, dass im Text wichtige Schlüsselwörter enthalten sind und nach diesen suchen.

Der Name ist Programm. Mikroartikel sind kleine Texte, welche eigene Gedanken oder Schlussfolgerungen eingebaut haben. Damit sind Mikroartikel viel reichhaltiger als Zusammenfassungen- der Schreiberling hat sich aktiv mit dem Inhalt beschäftigt. Mikroartikel können ganz individuell oder nach einer gewissen Struktur verfasst werden. Mikroartikel können auch für «Lessons Learned» genutzt werden. Dabei wird eher strukturiert reflektiert, was in einem vergangenen Projekt gut und was nicht so gut gelaufen ist und was man daraus lernen kann. Mikroartikel eigenen sich auch gut, um in den sozialen Netzwerken veröffentlicht zu werden.

Der grosse Bruder des Mikroartikels ist der Artikel, der häufig im Intranet, den sozialen Netzwerken oder dem eigenen Blog veröffentlicht wird. LinkedIn kennt nicht umsonst den Unterschied zwischen «Beitrag» (Mikroartikel) und «Artikel». Einen Artikel zu schreiben braucht Zeit und Übung, ist aber noch wertvoller als ein Mikroartikel. Artikel können aus mehrere Mikroartikeln entstehen.

Das Format der Präsentation ist ein wenig in Verruf geraten- eintönig, nicht interaktiv. Dabei hilft die Zusammenstellung einer Präsentation oder verschiedener slides enorm, die Gedanken zu strukturieren und Wissen «zu Papier» zu bringen und kann auch ohne eine anstehende Workshop oder Input passieren. Die Präsentation kann weiter, anstatt auf dem Harddrive zu versauern, im Intranet geteilt werden.

Wer etwas gut erklären kann, der hat es verstanden. Wer etwas jemanden ausserhalb des Themengebietes gut erklären kann, der hat es noch besser verstanden. Dies kann man auch ganz gezielt nutzen. Suche dir ein Opfer, biete ihm ein Glas Rotwein oder einen edlen Tee an und erkläre ihm, was du gelernt hast.

Was würdest du einen Experten zum Thema fragen? Natürlich möglichst schlaue Dinge! Daher braucht es eine Auseinandersetzung mit dem Thema. Solche Fragen kannst du dann durchaus auch wirklich stellen- den Personen in deinem Persönlichen Lernnetzwerk!

Der Zettelkasten nach Luhmann ist ein sehr ausgeklügeltes System, seine Notizen und Gedanken zu organisieren. In seiner reinen Form ist es wohl nur etwas für sehr strukturierte, ordnungsliebende Menschen. Aber wozu auch eine Methode 1:1 umsetzen? Man kann auch einfach das für einem passende daraus ziehen und den Rest verwerfen.
Bei Luhmanns Zettelkasten wird zuerst jede Ressource, die man verwendet, mit eigenen Worten kurz zusammengefasst- ein Satz kann reichen. Danach wird diese Notiz nach einem streng organisierten System mit Zahlen und Buchstaben abgelegt. Dabei geht es darum, einen Strang durch das eigenen Wissen zu formen. Mehr zum Zettelkasten hier, wie er sich für speziell für das Verfassen einer Arbeit sehr gut eignet kann man hier nachlesen.

Ein Lerntagebuch dient der Reflexion über das neu Gelernte und seiner Einordnung in das bereits vorhandene Wissen. Die Stärke eines Lerntagebuches steckt darin, dass es den Lernprozess sichtbar macht, den wir häufig als diffus empfinden.

Beispiele Persönlicher Lernumgebungen

Hier zwei konkrete Beispiele von persönlichen Lernumgebungen

Wissen teilen- Soziales Lernen und Lernnetzwerke

Das Lernen voneinander und miteinander hat in der beruflichen Weiterbildung in den letzten Jahren einen immer höheren Stellenwert erhalten. Es geht davon aus, dass der Mensch ein tief soziales Wesen ist und schon immer in Gemeinschaft gelernt hat. Die Pink University hat einen sehr guten Artikel veröffentlicht, was social learning genau ist und welche Komponenten es braucht, damit social learning gelingen kann.

Dabei legt der Artikel einen Fokus auf die (primär organisationsinternen) Werkzeuge, die dem social learning dienlich sind. Nebst Werkzeugen sind aber auch die Methoden, die das soziale Lernen unterstützen können wie zum Beispiel Lerngruppen, äusserst wichtig. Mehr dazu liest man in diesem Artikel.

Partizipative Formate

Als dritte Komponenten der Ermöglichung des Lernen voneinander und miteinander sehen wir Veranstaltungen, also Formate, in denen jede und jeder sich gleichberechtigt einbringen und die Gruppe zusammen etwas erreichen oder kreieren kann. Wir nennen sie partizipative Formate. Der Besuch einer solchen Veranstaltung lässt direkt erfahren, was es genau heisst, miteinander auf Augenhöhe zu lernen. Solche Erfahrungen können die entsprechende Kultur in einer Organisation etablieren und fördern und damit soziales Lernen ermöglichen.

Beispiele für solche Formate sind das World Café, der Open Space und das Barcamp (welche nahe verwandt sind), der Kreis/das Conversation Café und natürlich die Methoden aus Liberating Structures. Die Kunst, solche Formate zu initiieren, durchzuführen und die darin erarbeiteten Ergebnisse zu sammeln, nennen gewisse Gruppierungen auch «The Art of Hosting«.

Diese Präsentation geht zuerst darauf ein, welchen Zusammenhang partizipative Formate und Schwarmintelligenz hat und erklärt danach ausführlich die verschiedenen oben aufgeführten Formen. Die Digitale Gesellschaft NRW geht noch ein wenig weiter und listet auch Formate auf, die sich auf soziale Medien wie Twitter beziehen oder eine Aktion im Zentrum haben.

Die einzelnen Formate sind unter Methoden beschrieben.

Lernnetzwerke

Wer von und mit anderen lernt, hat sein persönliches Lernnetzwerk. Dieses baut sich meist langsam auf und umfasst eines oder mehrere Themen, die man selbst lernt beziehungsweise an denen man arbeitet. Die folgenden zwei englischsprachigen Ressourcen gehen auf die Definition von Lernnetzwerken ein.

Working Out Loud ist eine sehr passende Methode, sich ein persönliches Lernnetzwerk aufzubauen. Weitere sehr gute Hinweise zum Aufbau eines Lernnetzwerkes gibt das Dokument von Lisa Rosa «Ein persönliches Lernnetzwerk aufbauen – wozu und wie?» und der Wikipedia Eintrag zu Persönlichen Lernnetzwerken.

Falls du dir noch unsicher bist, was dir ein Persönliches Lernnetzwerk für deine berufliche oder persönliche Weiterentwicklung bringt, empfehlen wir dir den Artikel von Karl Heinz Pape, der darauf eingeht, wie wir am Arbeitsplatz lernen oder das Video von Anja Wagner, welches darlegt, wie persönliche Lernnnetzwerke das Lernen nach einer formalen Ausbildung unterstützen.

Ein Experten-Netzwerk, dass sich über ein bestimmtes Thema austauscht, heisst auch Community of Practice. Diese sind immer häufiger organisationsübergreifend. Falls Du in einer Gruppierung bist, die sich regelmässig zu irgendeinem spezifischen Thema austauscht- sei es schriftlich, sei es bei persönlichen Treffen- dann hast Du vielleicht bereits Erfahrungen mit einer CoP. Als Abgrenzung gibt es die Community of Interest. Dort treffen sich Menschen, die ein gleiches Interesse haben- zum Beispiel die Verhinderung eines Neubaus in Deiner Nachbarschaft oder die Senkung des CO2 Ausstosses. Mehr zu CoPs findest du hier.

Wissen teilen- Sichtbar werden und seine Beitrag ans Lernnetzwerk leisten

Warum sollte man sein eigenes Wissen teilen? Produkte, die man bei der Wissensverarbeitung erstellt hat, öffentlich machen? Dafür gibt es zwei gute Gründe: Sichtbarkeit und Grosszügigkeit.

Informelles Lernen ist oft nicht sichtbar, da es dafür kein Zertifikat gibt. Dass dies ein grosser Nachteil ist, liegt auf der Hand, speziell wenn man noch bedenkt, dass der grösste Teil des Lernens so stattfindet (70-20-10 Modell). Seine Wissensprodukte zu veröffentlichen, kann also dazu beitragen, das informelle Lernen sichtbar zu machen. Nicht nur, um neue Verbindungen im eigenen Lernnetzwerk zu knüpfen (ohne Sichtbarkeit kann ich nicht gefunden werden), sondern auch für eine eventuelle Jobsuche (siehe zB» Informelles Wissen durch E-Portfolio sichtbar machen«).
Doch Teilen ist viel mehr als Sichtbarkeit. Ein Lernnetzwerk kann nur davon leben, dass seine Mitglieder ihr Lernen und Wissen sichtbar machen und anderen zur Verfügung stellen. Grosszügiges Teilen ist also der persönliche Anteil am «social contract», der ein Lernnetzwerk überhaupt entstehen lässt und dann erhaltet. Siehe auch Wissen Teilen versus Senden.

Manche scheuen sich aber davon, sichtbar zu werden (sich zu exponieren) und Dinge zu teilen. Dafür gibt es auch gute Gründe- Es braucht Zeit, macht verletzlich, kann die eigene Meinung zementieren und nur noch mehr zum allgemeinen Lärm beitragen. Wie diese negativen Aspekte den positiven gegenüberstehen, hat Stefanie in ihrem Artikel Wissen sichtbar teilen- 9 Argumente wunderbar reflektiert.

Seek-sense-share by Harald Jarche

Personal Knowledge Mastery, also die Kompetenz, Persönliches Wissensmanagement routiniert anzuwenden und dabei das Mindset von gemeinsam (öffentlich) Lernen, ist ein Konzept, dass von Harald Jarche entwickelt wurde. Es basiert auf den drei Schritten seek (Wissenquellen suchen), sense (aus dem Gelesenen oder Gehörten Sinn machen) und share (sein Wissen auch wieder zu teilen). Diese Schritte sollten möglichst zur (täglichen) Routine werden.

Wie kann so ein seek-sense-share Prozess aussehen? «Seek, sense, share- 3 Schritte zum Persönlichen Wissensmanagement» ist ein kurzer Blogartikel über solch eine Routine. Mehr Auskunft gibt Harald Jarche selbst in einem Einführungsvideo zu einer Lehrveranstaltung. Er bietet auch Online Kurse zum Thema und veröffentlicht regelmässig auf seinem Blog.