Strong ties, weak ties- Netzwerkfähigkeit als Schlüsselkompetenz

“Netzwerkfähigkeit ist der Schlüssel” – dies war die Erkenntnis einer Teilnehmerin nach der ersten Teaser-Session zu unserem Future Work Camp. Diese Meinung teile ich. Wirklich neu ist dies eigentlich nicht, doch spüre ich ein zunehmendes Interesse am Thema, insbesondere an der beruflichen Vernetzung in der digitalen Welt. Die Möglichkeiten eines mächtigen Tools wie LinkedIn und die Pandemie, die viele von uns fernab von Kollegen ins Homeoffice verbannt spielen sich hier in die Hand und ermöglichen, was Mark Granovetter bereits in den 1970er-Jahren wissenschaftlich belegt hat. Worum geht es?

Im 1973 publizierten Papier “The strength of weak ties” beschreibt Granovetter die Unterschiedlichkeiten von Beziehungen. Als “strong ties” bezeichnet er dabei Verbindungen, die wir nur mit wenigen Menschen aufrecht erhalten können, die sich durch eine hohe Qualität, Verbindlichkeit, Langlebigkeit und umfassendes Vertrauen auszeichnen. Daneben sind wir in der Lage, mehr “lose Verbindungen” einzugehen, die nicht das gleiche Invest an Zeit von uns erfordern, die wechselnd sind, themenspezifischer – aber – und dies ist meine persönliche Meinung – nicht unbedingt oberflächlich sein müssen. Granovetter beschreibt “weak ties” als Brückenverbindungen zu Wissen, das wir in unserem engen Netzwerk nicht hätten. Mit Tools wie Twitter, Facebook und aus meiner Sicht vor allem LinkedIn sind wir in der Lage, genau diese “weak ties” auf übersichtliche Art und Weise zu pflegen.

Das dies eine positive Wirkung hat, hat Granovetter wissenschaftlich nachgewiesen. Die Wahrscheinlichkeit, eine neue Stelle zu finden, war bei einer aktiven Vernetzung mit “weak ties” signifikant höher. Wenn wir heute hören, dass Stellen auch heute häufig über Netzwerke gefunden werden, gerade bei VR-Positionen habe ich kürzlich die Zahl 95% gelesen – ist dies auch heute noch ein elementarer Faktor. Doch auch wenn ich keine neue Stelle suche, profitiere ich von einer grösseren Vielfalt von Wissen und kann mein persönliches Lernen fördern. Es gibt noch weitere Vorteile, wenn eine grössere Vernetzung verbunden ist mit einer höheren Sichtbarkeit. Dr. Christian Busch beschreibt diese in seinem Buch “The Serendipity Mindset” – sobald auch dieses fertig gelesen ist folgt die ausführliche Zusammenfassung.

Netzwerkfähigkeit ist aus meiner Sicht eine der Schlüsselfähigkeiten – im Future Work Camp nutzen wir fürs konkrete Training dieser Kompetenz die Methode Working Out Loud.

Quellen:
https://www.forbes.com/sites/jacobmorgan/2014/03/11/every-employee-weak-ties-work/?sh=53e7eb473168
https://sociology.stanford.edu/sites/g/files/sbiybj9501/f/publications/the_strength_of_weak_ties_and_exch_w-gans.pdf